Ich habe in den letzten Jahren so einige neue Songs von Jörg Bausch gehört und natürlich waren da auch gute Nummern dabei. Aber bei „Mich kriegst du nie“ lege ich mich tatsächlich ziemlich schnell fest: Das ist für mich der beste Titel, den Jörg Bausch seit Jahren veröffentlicht hat. Punkt. Warum? Weil er endlich wieder genau diesen Popschlager macht, den ich mit ihm verbinde und den ich ehrlich gesagt in dieser Form auch ein bisschen vermisst habe. Keine musikalischen Verrenkungen, kein krampfhafter Versuch, jetzt irgendwie besonders modern oder nach Deutschpop zu klingen. Stattdessen gibt es eine richtig starke Melodie, einen treibenden Sound und vor allem einen Refrain, der nach einmaligem Hören bereits im Kopf sitzt. Eigentlich ganz einfach. Aber wie oft hören wir neue Schlagertitel, bei denen genau das eben nicht passiert?
„Mich kriegst du nie im Leben wieder los“ ist eine Hook, die funktioniert. Da muss ich nicht erst fünfmal hinhören und anschließend überlegen, was davon jetzt eigentlich hängen geblieben ist. Der Song marschiert sofort los und klingt dabei herrlich nach diesem klassischen „Old-School-Popschlager“, wie ich ihn aus den Anfangszeiten des Genres kenne und mag. Und bevor jetzt wieder jemand „altmodisch“ ruft: Nein. Eine gute Melodie hat kein Haltbarkeitsdatum. Mir ist ein Song, der nach 20 Sekunden funktioniert, tausendmal lieber als irgendeine auf modern getrimmte Produktion, bei der am Ende zwar jeder Sound dem aktuellen Zeitgeist entspricht, aber leider niemand mehr weiß, wie der Refrain ging. Jörg Bausch braucht solche Experimente sowieso nicht. Er hat seinen eigenen Sound und der ist hier endlich wieder deutlich zu hören.
Der Text ist simpel – aber eben nicht doof
Auch beim Songtext hat man das Rad nicht neu erfunden und das ist ausdrücklich nicht negativ gemeint. Zwei Menschen können offensichtlich nicht miteinander, aber noch viel weniger ohneeinander. Da wird erzählt, man brauche den anderen nicht, da kann die Tür auch mal ordentlich zuknallen und natürlich ist einem alles total egal. Ja nee, ist klar. Jörg Bausch dreht den Spieß dabei schön selbstbewusst um: Du kannst erzählen, was du willst, morgen suchst du mich sowieso wieder. Ein bisschen frech, ein bisschen arrogant und mit genau dem Augenzwinkern, das der Song braucht.
Ich finde sowieso, dass beim Schlager viel zu oft versucht wird, aus relativ einfachen Geschichten plötzlich ganz große Lyrik zu basteln. Muss nicht sein. Ein Popschlager darf auch einfach Spaß machen und einen Text haben, den man nach dem zweiten Durchlauf mitsingen kann. Das ist sogar ziemlich hilfreich, wenn irgendwann ein paar hundert oder ein paar tausend Leute vor einer Bühne stehen. Und genau da sehe ich „Mich kriegst du nie“. Dieser Refrain ist für Live-Auftritte gemacht. Ich höre die Bausch-Fans jetzt schon „Mich kriegst du nie im Leben wieder los“ zurückschmettern und würde mich sehr wundern, wenn Jörg bei diesem Titel zukünftig noch jeden Refrain selbst singen muss. Mikrofon Richtung Publikum halten dürfte reichen.
Genau dieser Jörg Bausch hat mir gefehlt
Was mir an dem Song wahrscheinlich am besten gefällt, ist diese Selbstverständlichkeit. Jörg Bausch klingt nach Jörg Bausch. Klingt banal, ist es aber nicht. Gerade im Schlager habe ich manchmal den Eindruck, dass Produzenten und Künstler vor lauter Gedanken über Playlisten, Streaming, Radio und den angeblich gerade angesagten Sound vergessen, für wen sie eigentlich Musik machen. Dann wird so lange modernisiert, bis vom Künstler selbst nicht mehr viel übrig ist. Bei „Mich kriegst du nie“ passiert das nicht. Der Song könnte in seiner Grundidee auch aus einer Zeit stammen, in der Popschlager noch nicht jedes halbe Jahr neu erfunden werden musste. Dazu eine moderne Produktion und fertig ist die Nummer.
Natürlich revolutioniert Jörg Bausch damit nicht die Musikgeschichte. Na und? Muss er das? Er liefert einen verdammt guten Popschlager ab, der eine starke Komposition, eine sofort erkennbare Hook und einen smarten, leicht verständlichen Text zusammenbringt. Vor allem möchte ich den Song nach dem Ende direkt noch einmal hören. Das gelingt längst nicht jeder Neuveröffentlichung, die mir auf den Tisch flattert.
Für mich ist „Mich kriegst du nie“ deshalb ganz klar einer der stärksten Bausch-Songs der vergangenen Jahre – ich würde sogar sagen: der stärkste. Seine Fans dürften daran richtig Spaß haben und live wird das Ding vermutlich noch einmal eine ganz andere Nummer. Wenn irgendwann ein kompletter Saal den Refrain singt, können wir uns ja noch einmal darüber unterhalten.
Bis dahin bleibe ich dabei: Genau so möchte ich Jörg Bausch hören.
Marc Wegerhoff






