Mehr Action, mehr Farbe, mehr Party: Der Titel „Lederhos’n Inferno“ lässt wenig Zweifel daran, was voXXclub auf der Bühne vorhaben. Doch im Gespräch mit hitbarometer erzählt Bini auch von Schönheitsdruck, demokratischen Entscheidungen und einem Lied, das ihn über die Endlichkeit des Lebens nachdenken lässt. Das neue Album begleitet die Tour – und zeigt, wie eng Feierlaune und Gefühl für die Band zusammengehören.
Ein neues Album war offenbar überfällig. Als hitbarometer Bini am 2. November zum Telefoninterview erreicht, blickt er auf ein Veröffentlichungswochenende zurück, an dem vor allem eines bei ihm angekommen ist: die Freude darüber, dass voXXclub nach zahlreichen Singles wieder ein Album vorlegen. Immer wieder sei die Band danach gefragt worden, erzählt er. Nun gibt es „Lederhos’n Inferno“, erschienen am 30. Oktober 2026.
Dabei blieb rund um die Veröffentlichung wenig Zeit zum Innehalten. Die Musiker seien gerade erst aus Brasilien zurückgekommen, berichtet Bini. Er beschreibt ein Jahr, in dem vieles unmittelbar aufeinanderfolgt. Zwischen Reisen, Auftritten und der Präsentation der neuen Musik nahm er vor allem wahr, dass das Publikum auf diese Zusammenstellung gewartet hatte.
Die 13 Songs verbinden bereits veröffentlichte Titel mit neuem Material. Für Bini kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Stücke, die das Publikum bislang von der Bühne kannte, werden nun ebenfalls auf dem Album greifbar. Seine Beschreibung dafür fällt entsprechend klar aus: „das perfekt passende Touralbum“.
Ein Album als Verbindung zwischen Bühne und Alltag
Dass nach einer Reihe von Singles wieder ein Album erscheint, bedeutet für die Fans zunächst, verschiedene Titel an einem Ort wiederzufinden. Aus einzelnen Veröffentlichungen entsteht ein gemeinsamer Rahmen. Wer manche Songs bereits kennt, begegnet ihnen nun neben weiteren Stücken und kann andere Verbindungen zwischen ihnen entdecken.
Bini beschreibt diesen Schritt sehr praktisch: Die zuletzt erschienenen Singles wurden zusammengeführt und um neue Lieder ergänzt. Dazu kommen Nummern, nach denen bislang womöglich gerade jene suchten, die die Band im Konzert erlebt hatten. Ein Live-Moment lässt sich zu Hause nicht wiederholen. Das Lied, das damit verbunden ist, lässt sich aber wieder aufrufen.
So wird das Album auch zu einer Verbindung zwischen den Auftritten und dem Hören im eigenen Alltag. Es kann auf die Show vorbereiten, Erinnerungen daran begleiten oder überhaupt erst den Wunsch wecken, diese Musik gemeinsam mit anderen zu erleben. Für voXXclub gehören Veröffentlichung und Tour in Binis Darstellung deshalb eng zusammen.
Mehrstimmigkeit als gemeinsamer Nenner
Volksmusik, Pop, Schlager, Beats: Wer voXXclub auf eine einzige musikalische Richtung festlegen möchte, dürfte es schwer haben. Bini selbst hält wenig von solchen Schubladen. Einen verbindenden Anspruch benennt er dennoch sehr deutlich: „Wir wollen nicht einstimmig oder zweistimmig singen.“ Meist gehe es vielmehr um vier- oder fünfstimmigen Gesang.
Diese Mehrstimmigkeit ist für ihn ein wesentlicher Teil der Identität der Gruppe. Sie soll auch dann hörbar bleiben, wenn es ausgelassen zugeht. Dass ein Song zum Feiern gedacht ist, senkt aus seiner Sicht den Anspruch an das, was er vermitteln kann, keineswegs. „Auch wenn es ein Partysong ist, kann immer eine schöne, tiefe Botschaft mit dabei sein“, sagt Bini.
Das erklärt die Spannweite des Albums besser als eine bloße Aufzählung von Genres. Die Verbindung entsteht über die Stimmen und darüber, was ein Lied bei den Menschen auslösen soll. Mal ist das die Lust, gemeinsam zu singen. Mal ein Gedanke, der über den letzten Refrain hinaus bestehen bleibt.
Aus Binis Sicht lässt sich der eigene Klang damit eher über eine Arbeitsweise beschreiben als über eine starre Stilvorgabe. Ein nachdenkliches Stück muss nicht dieselbe Stimmung erzeugen wie ein ausgelassener Titel, um zur Band zu passen. Die Stimmen können beide tragen. Auch die Frage nach einer Botschaft ist nicht an ein bestimmtes Tempo gebunden.
Fünf Meinungen – und eine Grenze für Mehrheitsentscheidungen
Der gemeinsame Anspruch bedeutet allerdings nicht, dass die fünf Musiker jeden Song gleichermaßen lieben. Bini spricht darüber angenehm offen. Unterschiedliche Geschmäcker gehören zum Bandalltag. Dass alle sofort begeistert sind, sei eher selten.
Wie daraus trotzdem Entscheidungen entstehen? Im Normalfall wird abgestimmt. Wer eine Nummer selbst vielleicht nicht ausgewählt hätte, kann mit dem Votum der anderen leben. Wenn die Ablehnung grundsätzlicher wird, endet jedoch die Logik der Mehrheit: „Also, wenn jemand damit gar nicht leben kann, dann machen wir es auch nicht.“
Hinter dem Satz steckt ein Verständnis von Zusammenarbeit, bei dem niemand dauerhaft übergangen werden soll. Bini kennt die Situation selbst: Auch er habe schon bei einem Song gesagt, dass es für ihn nicht gehe. Bei anderen Entscheidungen trägt er wiederum mit, was die übrigen Bandmitglieder überzeugt.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer persönlichen Vorliebe und einem wirklichen Einwand. Nicht jede Nummer muss für jeden die erste Wahl sein. Gemeinsam vertreten können sollen sie die Musiker dennoch. Ein solches Vorgehen verlangt beides: die Bereitschaft, eine Mehrheit zu akzeptieren, und die Aufmerksamkeit dafür, wann jemand eine Grenze erreicht.
„Nur weil ich dich liebe“: Wenn das Publikum sofort mitsingt
Wie unmittelbar ein Lied funktionieren kann, erlebt die Band mit „Nur weil ich dich liebe“. Der Titel verbindet laut Presseinformation Bläser mit einem Refrain zum Mitsingen. Im Gespräch beschreibt Bini, weshalb gerade diese Einfachheit auf der Bühne trägt.
Es brauche eine zugängliche Melodie, Wiederholung und Worte, die schnell hängen bleiben. Bei diesem Lied sei die Erfahrung besonders deutlich: „Bei der Nummer kann man schon mitsingen, obwohl man sie erst das erste Mal hört.“
Bini erzählt davon, wie die Musiker ins Publikum gehen und eine Polonaise entsteht. Die Grenze zwischen denen auf der Bühne und denen davor wird für einen Moment durchlässig. Wer den Song vor Konzertbeginn noch nicht kannte, kann trotzdem Teil des gemeinsamen Singens werden.
Die Einfachheit, von der Bini spricht, erfüllt dabei eine konkrete Aufgabe. Niemand muss erst eine komplizierte Textfolge beherrschen, um mitmachen zu können. Die wiederkehrenden Worte schaffen Orientierung, die Melodie bietet einen Einstieg. Das Lied öffnet sich auch für Menschen, die nicht schon mit jedem Titel der Band vertraut sind.
„Fürstenfeld“: Eine Idee, die lange warten musste
Auch „Fürstenfeld“ passt aus Sicht der Band zu diesem Zusammenspiel von Stimmen und Feierlaune. Die Idee, den bekannten Titel aufzunehmen, habe voXXclub schon seit Jahren begleitet. Bini erinnert sich an Überlegungen, die acht oder neun Jahre zurückreichen könnten. Lange sei daraus jedoch keine Veröffentlichung geworden.
Nach einem Wechsel der Plattenfirma sei das Thema erneut aufgekommen. Besonders der mehrstimmige Anfang und die anschließende Entwicklung zur Partynummer hätten für eine eigene Version gesprochen. Hier seien sich die Musiker einig gewesen: Dieser Song sollte sowohl als Single erscheinen als auch aufs Album.
Nach den vorherigen Ausführungen über Abstimmungen bekommt dieses Beispiel eine zusätzliche Bedeutung. Es zeigt den anderen möglichen Verlauf einer Entscheidung: Manchmal treffen die unterschiedlichen Vorstellungen tatsächlich an einem Punkt zusammen. Ein Lied bringt dann bereits jene Eigenschaften mit, die die Band an ihrer eigenen Musik schätzt.
„Schön genug“: Ein Partysong gegen den Vergleichsdruck
Mit „Schön genug“ bekommt der Gedanke einer Botschaft im Partysong eine konkrete Richtung. Es geht um den Blick auf sich selbst, wenn auf dem Bildschirm scheinbar alle anderen schöner, fitter und erfolgreicher wirken.
Bini beschreibt eine „Scheinwelt auf Social Media“, in der sich Menschen unablässig miteinander vergleichen. Andere trainieren vermeintlich ständig, ernähren sich perfekt und haben ihr Leben im Griff. Wer diese Ausschnitte zum Maßstab macht, kann leicht das Gefühl bekommen, selbst nicht zu genügen.
voXXclub wollen dem etwas entgegensetzen. Bini formuliert es im Gespräch direkt: „Ihr seid gut so, wie ihr seid, und ihr seid schön genug, so wie ihr seid“. Seine Aufforderung, sich davon nicht verbiegen zu lassen, gehört für ihn mitten in die Musik der Band.
Seine Beispiele betreffen dabei mehr als die Frage nach einem schönen Foto. Sie reichen bis zur Vorstellung, wie ein scheinbar gelungenes Leben auszusehen habe: körperlich fit, diszipliniert, gesund und jederzeit vorzeigbar. Wer sich mit einer solchen Auswahl vergleicht, misst den eigenen Alltag an einem Bild, in dem dessen Mühen und Unvollkommenheiten kaum vorkommen.
Die Aussage des Liedes setzt genau an diesem Missverhältnis an. Das eigene Genügen soll nicht davon abhängen, mit der Darstellung anderer Schritt zu halten. Bini drückt das ohne komplizierte Erklärung aus. Seine Worte haben den Charakter einer Ermutigung, die auch außerhalb der Musik ihren Platz finden kann.
Dass der Song zugleich Partyenergie hat, ist dabei kein Widerspruch. Für Bini können auch in einer solchen Nummer Sätze stehen, die zum Nachdenken anregen. Die gute Stimmung trägt dann eine Aussage mit, die im Alltag gebraucht werden kann. Wer den Refrain mitnimmt, nimmt möglicherweise auch diesen Gedanken mit.
„Trag mi Wind“: Ein Lied vom Rand der Bühne
Eine andere Stimmung entsteht, als das Gespräch auf „Trag mi Wind“ kommt. Den Song habe die Band bei einem Festival im österreichischen Montafon gehört, gespielt von einer Blasmusikkapelle. Die fünf standen neben der Bühne, weil ihr eigener Auftritt noch bevorstand, und wurden auf das Stück aufmerksam.
Bini erinnert sich an die unmittelbare Begeisterung. Gemeinsam hätten sie wissen wollen, was das für eine Nummer sei. Der Wunsch, sie selbst zu singen, sei schnell dagewesen. Die Entdeckung entstand also in einer Situation, in der die Musiker zunächst selbst zuhörten.
Darin unterscheidet sich diese Geschichte von jener zu „Fürstenfeld“. Dort lag die Idee lange bereit; hier beschreibt Bini einen konkreten Augenblick, in dem ein Lied die Gruppe erreichte. Beide Wege führten schließlich auf dasselbe Album. Die Auswahl verbindet somit Bekanntes, länger verfolgte Vorhaben und einen Eindruck, der neben einer Bühne entstand.
Ehrfurcht vor dem Leben
Für Bini verbindet sich „Trag mi Wind“ mit der Auseinandersetzung mit Verlust und Endlichkeit. Er erzählt, bereits ein Elternteil verloren zu haben. Dass ihn das Lied beschäftigt, wird in seiner Suche nach dem passenden Wort deutlich: Traurigkeit allein beschreibt es für ihn nicht. Er sei vielmehr „ehrfürchtig dem Leben gegenüber“.
Dieser Ausdruck verschiebt den Blick. Es geht nicht allein um den Schmerz eines Abschieds, sondern auch darum, wie man auf das Leben schaut, wenn seine Begrenztheit spürbar wird. Bini spricht über ein Thema, das ihn berührt und bei den Gedanken an ihm nahestehende Menschen nachdenklich werden lässt.
Das Gespräch braucht an dieser Stelle keinen schnellen Übergang zurück zur Feierlaune. Seine Antwort darf stehen bleiben. Gerade weil voXXclub vielen als tanzende, energiegeladene Gruppe vertraut sind, fällt auf, wie selbstverständlich Bini auch diese andere Erfahrung zur Musik zählt.
Er sagt damit nicht, dass eine Show ihre Leichtigkeit verlieren müsse. Er beschreibt vielmehr den Wunsch, neben der Ausgelassenheit auch etwas für das Herz mitzubringen. Unterschiedliche Gefühle gehören zu dem Publikum, das zu einem Konzert kommt. Ein Programm kann ihnen Raum geben, ohne für alle dieselbe Reaktion vorzugeben.
„Es darf auch mal geweint werden“
Gerade diese Seite soll neben Tanz und Ausgelassenheit ihren Platz haben. Bini spricht von ruhigeren Tönen und davon, dass bei einer voXXclub-Show auch Gefühle zugelassen werden dürfen, die nicht sofort in einen Jubel münden. „Es darf auch mal geweint werden“, sagt er.
Dieser Satz eröffnet einen anderen Zugang zu einer Band, die viele zunächst mit guter Laune verbinden. Das gemeinsame Erleben endet für voXXclub offenbar nicht dort, wo ein Lied nachdenklich macht. Auch ein stiller Moment kann Menschen zusammenbringen.
Die Tour: Mehr Action und bewusste Ruhepunkte
Für die „Lederhos’n Inferno“-Show verspricht Bini eine Steigerung gegenüber der vorherigen Tour: „noch mehr Action und noch bunter“. Der neue Titel sei aus dem Wunsch entstanden, nach der „Burning Lederhos’n“-Tour noch etwas draufzusetzen. Mit Humor deutet er zugleich an, dass diese sprachliche Steigerung irgendwann schwer fortzusetzen sei.
Musikalisch beschreibt er ein Programm, das unterschiedliche Facetten aufnimmt. „Wir machen aber auch viel a cappella“, erzählt er. Dazu kommen Stücke aus verschiedenen Phasen der Bandgeschichte, darunter Material vom ersten Album, und Momente, in denen die Musiker selbst an Instrumenten zu erleben sind.
Wer sie vor allem tanzend und singend kennt, soll sie also auch in einer ruhigeren Konstellation kennenlernen. Die Instrumente sind in seiner Beschreibung eine Gelegenheit, eine andere Bühnenseite zu zeigen. Gegen Ende des Programms soll die Party dann noch einmal anziehen.
Die offizielle Showankündigung ergänzt diesen musikalischen Rahmen um Lichtdesign, Animationen und eine LED-Wall in Alpensilhouette. Die Tour führt im November und Dezember 2026 durch mehrere Städte und wird 2027 fortgesetzt. Die nachfolgende Übersicht enthält die zum Recherchezeitpunkt gelisteten Termine.
Das hitbarometer-Fazit
Im Gespräch mit Bini ergibt sich ein vielschichtiges Bild von „Lederhos’n Inferno“. Das Album bündelt die zuletzt veröffentlichten Singles und verbindet sie mit weiteren Songs zu einer Veröffentlichung, die eng an das Live-Programm anschließt. Mehrstimmigkeit bleibt dabei für ihn der gemeinsame Nenner; die Themen reichen vom unkomplizierten Mitsingen bis zur Frage, was im Leben wirklich zählt.
Genauso aufschlussreich sind die Wege hinter den Liedern: eine jahrelang begleitete Idee für „Fürstenfeld“, die Entdeckung von „Trag mi Wind“ bei einer Blasmusikkapelle und die Erfahrung, wie schnell ein Publikum bei „Nur weil ich dich liebe“ selbst zu singen beginnt. Sie zeigen, wie unterschiedlich ein Song seinen Platz im Programm finden kann.
Am meisten bleibt der Gedanke hängen, dass in dieser Musik beides möglich sein soll: die Polonaise im Publikum und der Moment, in dem man still wird. Bini beschreibt damit einen Anspruch an voXXclub, der sich nicht allein an Lautstärke und Partyenergie messen lässt. Wenn ein Partysong eine Botschaft mitbringen kann, darf auch eine ausgelassene Show Platz für das haben, was Menschen jenseits des nächsten Refrains beschäftigt.
Interview und Text: Andreas Breitkopf für hitbarometer.de. Gespräch vom 2. November 2026.
„Lederhos’n Inferno“: die kommenden Tourtermine
| Datum | Stadt | Spielstätte |
|---|---|---|
| 04.11.2026 | Flensburg | Deutsches Haus |
| 05.11.2026 | Stade | Stadeum |
| 12.11.2026 | Memmingen | Stadthalle |
| 13.11.2026 | Rosenheim | Kultur + Kongress Zentrum KU’KO |
| 14.11.2026 | Tuttlingen | Stadthalle |
| 03.12.2026 | Borken | Stadthalle Vennehof |
| 04.12.2026 | Cloppenburg | Stadthalle |
| 11.12.2026 | Suhl | Congress Centrum Suhl |
| 19.12.2026 | Stuttgart | Im Wizemann |
| 19.02.2027 | Baden-Baden | Rantastic Livebühnen |
| 20.02.2027 | Ehingen (Donau) | Lindenhalle |
| 21.02.2027 | Balingen | Stadthalle |
| 27.02.2027 | Cham | Stadthalle |
| 28.02.2027 | Amberg | Amberger Congress Centrum |
| 12.03.2027 | Beverungen | Stadthalle |
| 05.06.2027 | Bad Elster | NaturTheater |
Stand: 2. November 2026. Änderungen vorbehalten. Aktuelle Angaben und Tickets: offizielle voXXclub-Terminseite. Die Übersicht berücksichtigt die als „Lederhos’n Inferno Tour“ gelisteten Auftritte; weitere Festival- und Gemeinschaftsveranstaltungen sind dort ebenfalls zu finden. Abgleich der Spielstätten mit der Terminübersicht von Universal Music.






