45 Jahre Karriere. Millionen verkaufte Tonträger. Ein Eurovision-Sieg, der Musikgeschichte schrieb. Eigentlich könnte Nicole längst sagen: Es reicht. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. – Mit ihrer neuen Single „Ich will mehr“ blickt die Sängerin nicht zurück, sondern nach vorne. – Im Gespräch mit hitbarometer.de wird schnell deutlich: Das „Mehr“, von dem sie singt, hat heute eine ganz andere Bedeutung als früher. „Ich will mehr Lebensfreude, mehr von dem Leben, diesen vielen Glücksmomenten. Davon gibt es doch viel zu wenig“, erzählt Nicole.
Die große Liebe heißt Publikum
Im Herbst feiert die Künstlerin mit dem Album und der Jubiläumstour „Meine Schätze“ ihr 45-jähriges Bühnenjubiläum. Doch was treibt sie nach all den Jahrzehnten noch an? Für Nicole ist die Antwort eindeutig: „Das Publikum und die Liebe zu diesem Beruf.“
Besonders berühren sie die Rückmeldungen ihrer Fans. Menschen, die ihr schreiben, dass ihre Lieder sie durch schwere Zeiten begleitet haben. „Es gibt viele, die mir schreiben: ‚Danke für dieses Lied. Das hat mir in dieser Lebenssituation wahnsinnig geholfen.‘ Musik kann auch therapieren.“
Eine Textzeile aus „Ich will mehr“ wird dabei häufig missverstanden. Wenn Nicole singt: „Die große Liebe, das bist du“, meint sie nicht ihren Ehemann. „Es ist eine Verneigung vor meinem Publikum“, erklärt sie. „Die große Liebe, das bist du und die Musik.“
Verborgene Schätze aus vier Jahrzehnten
Der Titel des neuen Albums kommt nicht von ungefähr. Schon immer gab es Songs, die nie als Single veröffentlicht wurden und deshalb vielen Hörern verborgen blieben. „Es wird in der Schatzkiste gegraben – und ich bin sehr, sehr fündig geworden“, sagt Nicole mit einem Lächeln.
Neben den großen Klassikern sollen deshalb auch tiefgründige Lieder wieder ans Licht kommen, die einst für den Radioeinsatz als zu anspruchsvoll galten, auf der Bühne jedoch eine besondere Kraft entfalten.
Ein Beispiel nennt sie bereits: den Titel „Für die Seele“. Ein Lied über den Verlust eines geliebten Menschen. „Wenn das Lied zu Ende ist, klatscht überhaupt niemand. Die Menschen sind so ergriffen, dass erst einmal Stille herrscht.“
Ein Bild, das sie nie vergessen wird
Zu den bewegendsten Momenten ihrer Karriere zählt Nicole nicht nur den Eurovision-Sieg 1982. Besonders tief eingeprägt hat sich ihr ein Auftritt in Israel. Nachdem „Ein bisschen Frieden“ dort zwölf Punkte erhalten hatte, wurde sie eingeladen, vor Soldaten zu singen. „Die jungen Leute legten ihre Maschinengewehre hin, machten Peace-Zeichen und sangen mit. Für mich stand die Erde still.“
Bis heute spüre sie die besondere Kraft dieses Liedes. „Es ist ein Jahrhundertlied. Leider wird es immer aktuell bleiben.“
Dankbar für ein zweites Leben
Auch ihre gesundheitlichen Herausforderungen haben den Blick auf das Leben verändert. „Du bekommst Grenzen aufgezeigt, die du niemals für nötig gehalten hättest“, sagt Nicole offen.
Heute entscheide sie bewusster, was ihr guttut. „Ich bin dankbar, dass ich gesund bin wieder. Ich möchte alles mitnehmen, was mitzunehmen ist.“
Diese Dankbarkeit prägt auch ihren Blick in die Zukunft. „Ich danke dem lieben Gott, dass er mir ein zweites Leben geschenkt hat.“
45 Jahre – und kein bisschen müde
Wenn Nicole heute von „mehr“ spricht, geht es nicht um Rekorde oder Auszeichnungen. Es geht um Begegnungen, Musik, Freunde und die kleinen Glücksmomente des Lebens. Oder wie sie selbst sagt: „Ich bin bescheiden und voller Demut.“
Mit „Ich will mehr“ beweist Nicole eindrucksvoll, dass man auch nach 45 Jahren auf der Bühne noch neue Kapitel schreiben kann – nicht lauter, sondern vielleicht sogar ehrlicher als je zuvor.






