Von legendären Clubs über feuchte Proberäume bis zu Walter Elf, Spermbirds und Vanden Plas: Das Buch „Soundtrack einer Stadt“ erzählt die bewegte Musikgeschichte Kaiserslauterns von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre…
Kaiserslautern ist Fußballstadt, Universitätsstadt und für viele vor allem Heimat. Doch zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren entwickelte die pfälzische Stadt noch eine weitere Identität: Sie wurde zu einem bemerkenswerten Schauplatz für Jazz, Punk, Rock ’n’ Roll und Independent-Musik. Das Buch „Soundtrack einer Stadt“ macht diese weit über die Region hinausreichende Musikgeschichte nun wieder hör- und sichtbar.
Mehr als 40 Clubs und Konzertsäle
Kneipen, Jugendzentren, Musikschulen und Clubs stellten damals Proberäume zur Verfügung. Diese waren zwar häufig feucht, schlecht belüftet und akustisch alles andere als ideal, doch gerade dort entstanden Bands, Freundschaften und musikalische Ideen. Bühnenshows wurden entwickelt, Konzerte organisiert und musikalische Grenzen ausgetestet.
Wie lebendig die Szene tatsächlich war, zeigt eine eindrucksvolle Zahl: In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es in Kaiserslautern mehr als 40 Clubs und Konzertsäle. Auch die „Landesschau Rheinland-Pfalz“ des SWR widmete dem Buch und den historischen Schauplätzen der Lautrer Musikszene einen eigenen Beitrag. Darin führt Mitherausgeber Michael Halberstadt zu früheren Treffpunkten und erinnert an eine Zeit, in der beinahe an jeder Ecke geprobt, gespielt und gefeiert wurde. Der Beitrag ist beim SWR ab Minute 19:45 zu sehen.
Walter Elf, Spermbirds und der Sound der Air Bases
Zu den bekanntesten Namen gehören Walter Elf und die Spermbirds. Matthias „Beppo“ Götte schildert im Buch, wie eng Punkrock, Kaiserslautern und der 1. FC Kaiserslautern miteinander verbunden waren. Der Name Walter Elf schlug schließlich selbst die Brücke zum Fußball. Die Band trat im Fritz-Walter-Stadion auf, besang den Wechsel von Hans-Peter Briegel nach Verona und lieferte mit „Männer in Rot“ später einen Song, der vor Heimspielen auf dem Betzenberg erklang.
Doch Kaiserslauterns musikalische Geschichte reicht weit über Punk hinaus. Durch die amerikanischen Streitkräfte und die Air Bases in der Region trafen unterschiedliche Kulturen und Musikstile aufeinander. Musiker spielten in Clubs für US-Soldaten, begegneten internationalen Einflüssen und sammelten Erfahrungen, die in der damaligen Bundesrepublik keineswegs selbstverständlich waren. Eine der im Buch festgehaltenen Erinnerungen führt sogar zu Jazzlegende Lionel Hampton, der bei einer Jam-Session auf dem Schlagzeug eines Lautrer Musikers spielte.
Auch Künstlerinnen und Künstler wie Melanie Thornton sowie Bands wie Arts and Decay und Vanden Plas gehören zu diesem vielstimmigen Panorama. Hinzu kommen Erinnerungen an das Jugendzentrum in der Steinstraße, an Wohngemeinschaften, Konzertnächte, Musikgeschäfte, Festivals und jene Orte, die längst verschwunden sind, in den Köpfen der Beteiligten aber weiterleben.
33 Stimmen gegen das Vergessen
Entstanden ist das Buch beinahe zufällig. Eine Begegnung der aus Kaiserslautern stammenden Autoren Mathias Aicher und Christina Bacher führte zur Idee einer Anthologie über die Lautrer Musikszene. Als Aicher wenig später Michael Halberstadt traf, nahm das Projekt Gestalt an.
Insgesamt 33 Autorinnen und Autoren steuern persönliche Geschichten, Fotografien und Zeitzeugnisse bei. Herausgekommen ist keine nüchterne Chronik, sondern ein lebendiges Erinnerungsalbum voller Leidenschaft, Selbstironie und regionaler Identität. Das Buch würdigt nicht nur bekannte Bands, sondern auch Veranstalter, Clubbetreiber, Fotografen, Musikjournalisten und Fans – also all jene, ohne die eine Szene niemals entstehen könnte.
„Soundtrack einer Stadt“ erscheint passend zum 750. Stadtjubiläum in Kooperation mit dem Referat Kultur der Stadt Kaiserslautern. Auf 312 durchgehend farbig gestalteten Seiten zeigt der Band, dass Kaiserslautern musikalisch vielleicht nie der Mittelpunkt der Welt war – aber für mehrere Jahrzehnte ein bemerkenswert lauter Punkt auf ihrer Landkarte.
Buchinformationen
„Soundtrack einer Stadt – Streifzug durch Kaiserslauterns Musikszene von den 60ern bis in die 90er“
Herausgegeben von Mathias Aicher, Christina Bacher und Michael Halberstadt
PMLakeman-Verlag
312 Seiten, durchgehend farbig
Preis: 19,80 Euro
ISBN 978-3-911187-02-2






