Fotocredit: DE Allessa – Spielerin (neues Album) – Hörproben

Allessa nimmt mit „Spielerin“ ihr Leben selbst in die Hand

Wer spielt, kann verlieren. Wer gar nicht erst entscheidet, hat allerdings schon verloren. Allessa macht diese Haltung zum Ausgangspunkt ihres neuen Albums „Spielerin“. Fünf Jahre nach „Sommerregen“ präsentiert die österreichische Sängerin keine Sammlung vorsichtiger Absicherungen, sondern ein musikalisches Plädoyer dafür, Chancen zu erkennen, Gefühle zuzulassen und den eigenen Weg selbst zu bestimmen.

Der Albumtitel führt dabei zunächst auf eine falsche Fährte. „Spielerin“ erzählt nicht von Täuschung, Berechnung oder emotionalem Bluff. Gemeint ist eine Frau, die das Leben als offene Partie begreift. Sie kennt das Risiko, entscheidet aber trotzdem selbst, welche Karte sie ausspielt.

 

Eine Frau schreibt ihre eigenen Regeln

Allessa verleiht dieser Haltung auch hinter den Kulissen Gewicht. An acht der zwölf neuen Songs war sie selbst als Autorin beteiligt. Dadurch erhält das Album eine persönliche Handschrift, die über die Interpretation bereits fertig angelieferter Titel hinausgeht.

Der Wechsel zu LASSO-MUSIC zum Jahreswechsel 2025/2026 wirkt dabei wie ein künstlerischer Befreiungsschlag. Unter dem Leitsatz „Erlaubt ist, was gefällt“ darf Allessa unterschiedliche Einflüsse miteinander verbinden, ohne jeden Titel derselben klanglichen Schablone unterordnen zu müssen.

Die Vielfalt ist deshalb kein dekorativer Zusatz, sondern Teil des Albumkonzepts. Eine Spielerin muss schließlich auf wechselnde Situationen reagieren können. Mal verlangt das Leben nach Entschlossenheit, mal nach Geduld – und manchmal nach dem Mut, eine vermeintlich sichere Position aufzugeben.

 

Liebe zwischen Firewall und Garantie

Schon die Songtitel zeigen, wie unterschiedlich Allessa Beziehungen und persönliche Entscheidungen betrachtet. „Firewall“ weckt das Bild eines Schutzsystems, das unerwünschte Zugriffe verhindert. Im emotionalen Kontext stellt sich damit die Frage, wie viel Sicherheit ein Herz benötigt – und wann der Schutz zur Barriere wird.

„Zwischen deinen Zeilen“ richtet den Blick auf alles, was innerhalb einer Beziehung unausgesprochen bleibt. Nicht die offensichtlichen Worte werden entscheidend, sondern die Zwischentöne, das Zögern und jene Wahrheiten, die sich nur indirekt erkennen lassen.

„Auf Liebe gibt es keine Garantie“ formuliert schließlich beinahe das Grundgesetz des Albums. Gefühle lassen sich weder versichern noch nach festen Wahrscheinlichkeiten berechnen. Wer liebt, setzt etwas aufs Spiel. Doch Allessa präsentiert dieses Risiko nicht als Warnung, sondern als Voraussetzung dafür, überhaupt etwas gewinnen zu können.

Titel wie „Wenn dein Herz nicht schlafen kann“, „Verdammt“ und „Er ist doch viel zu jung (18 Jahre)“ erweitern diese Perspektive um Sehnsucht, innere Unruhe und jene Verbindungen, die sich den Erwartungen anderer entziehen. „Solange wir leben“, „Neue Wunder“ und „Der Weg“ öffnen das Album wiederum für Hoffnung, Zukunft und persönliche Entwicklung.

 

Zwischen Meeresweite und italienischem Temperament

Mit „20.000 Meilen“ enthält „Spielerin“ zugleich den bislang größten Erfolg dieses neuen Kapitels. Die Single hielt sich zwölf Wochen in den Top 10 der deutschen Airplay-Charts im Format Konservativ Pop – davon sechs Wochen auf Platz eins und weitere fünf Wochen auf Platz zwei. Nach Angaben aus dem Umfeld der Veröffentlichung gelang diese Bilanz zuvor keiner österreichischen Sängerin in Deutschland.

Der Titel besitzt jene große emotionale und bildhafte Weite, die besonders gut zu Allessas markanter Stimme passt. Seine erfolgreiche Radioresonanz lieferte nicht nur Rückenwind für das Album, sondern bestätigte zugleich den musikalischen Kurs nach dem Labelwechsel.

Einen anderen Akzent setzt „La Bambola“. Die Neuinterpretation bringt italienisches Temperament in das Album und erinnert an Allessas langjährige Nähe zu südeuropäischen Melodien. Zwischen diesem Titel und „20.000 Meilen“ wird deutlich, wie weit das musikalische Spielfeld von „Spielerin“ reicht.

Die aktuelle Single „Zwischen deinen Zeilen“ führt beide Qualitäten zusammen: eingängigen modernen Schlager und eine Geschichte, die nicht bei einer schnell verständlichen Oberfläche stehen bleibt.

 

Mehr als ein erfolgreiches Comeback

Die Bezeichnung „Comeback“ würde „Spielerin“ nur teilweise gerecht. Allessa war auch in den vergangenen Jahren musikalisch und medial präsent. Neu ist vielmehr die Entschlossenheit, mit der sie ihre verschiedenen Seiten auf einem Longplayer zusammenführt.

Ihre Stimme bleibt dabei das verbindende Element. Allessa kann kraftvoll und klar auftreten, besitzt aber ebenso die Fähigkeit, Zweifel und Verletzlichkeit hörbar zu machen. Das Album lebt gerade von diesem Wechsel: Die selbstbewusste Spielerin ist keine unverwundbare Figur. Ihre Stärke entsteht daraus, dass sie das Risiko kennt und sich dennoch auf die nächste Runde einlässt.

„Das ganze Leben ist ein Spiel“ lautet das Motto des Albums. Bei Allessa bedeutet das nicht, das Leben leichtfertig zu behandeln. Es bedeutet, aktiv daran teilzunehmen.

Die CD-Ausgabe enthält zwölf neue Songs und zwei Remixe. Digital erscheint „Spielerin“ mit insgesamt 18 Tracks und damit vier zusätzlichen Versionen. So wird auch die Veröffentlichung selbst zum Ausdruck jener Vielfalt, die das Album inhaltlich verspricht.

Hitbarometer-Fazit: Mit „Spielerin“ gelingt Allessa ein überzeugendes Album über Selbstbestimmung, Liebe und den Mut zum nächsten Zug. Die verschiedenen musikalischen Einflüsse wirken nicht wie ein unentschlossenes Nebeneinander, sondern spiegeln die wechselnden Situationen wider, auf die eine Spielerin reagieren muss. Dass Allessa an acht der zwölf neuen Songs selbst beteiligt war, verleiht dem Album zusätzliche Glaubwürdigkeit. „Spielerin“ ist kein riskanter Bluff, sondern ein selbstbewusst ausgespieltes Blatt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Bild von Andreas Breitkopf

Andreas Breitkopf

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